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RUB: brutal schön?

Doppelausstellung zur Architektur der 1960er Jahre

© Herbert Peterhofen: Querforum Ost, Blick von Osten auf Wasserfall und Bachlauf, Foto ca. 1975


RUB: brutal schön?
Am Mittwoch, dem 25. September 2019 um 17.30 Uhr wird die Ausstellung in der Universitätsbibliothek Bochum eröffnet. Studierende der Kunstgeschichte haben dieses Projekt unter der Leitung von Prof. Dr. Cornelia Jöchner erarbeitet. Die Ausstellung ist im Erdgeschoss der UB bis zum 31. Oktober 2019 zu sehen. Öffnungszeiten sind montags bis freitags 8 - 24 Uhr, samstags 10 - 20 Uhr und sonntags von 10 - 18 Uhr.

SOS Brutalismus – Rettet die Betonmonster
Die zweite Vernissage findet im Anschluss ab 19 Uhr im Musischen Zentrum der RUB statt. Die Ausstellung des Deutschen Architekturmuseum und der Wüstenrot-Stiftung war bereits in Frankfurt, Wien und Berlin zu sehen.
Sie läuft bis zum 24. November 2019. Öffnungszeiten sind donnerstags bis sonntags 10 bis 18 Uhr.

Der Eintritt ist bei beiden Ausstellungen frei.


RUB: brutal schön? - das studentische Projekt

Das Ausstellungsprojekt, erarbeitet von Studierenden der Kunstgeschichte unter der Leitung von Prof. Dr. Cornelia Jöchner, entstand in Kooperation mit der Ausstellung „SOS Brutalismus. Rettet die Betonmonster!“ des Deutschen Architekturmuseums in Frankfurt/Main, die parallel bis zum 24.11.2019 im Musischen Zentrum der RUB zu sehen ist.

Viele Merkmale der Architektur der RUB, erbaut zu Beginn der 1960er Jahre, lassen sich der Stilrichtung des „Brutalismus“ zurechnen: ihre unbedingte Nüchternheit und Details, die alle Funktionen offenlegen wollen, ebenso wie die Megastruktur und der überwiegend eingesetzte Sichtbeton, die gärtnerischen Anlagen in den Querforen sowie die „Kunst am Bau“.

Der Titel der Ausstellung bezieht sich auf den Stilbegriff „Brutalismus“. Dieser geht zurück auf den französischen Ausdruck „béton brut“ des Architekten Le Corbusier, der bereits 1927 die Installationen bei seinen Häusern der Weißenhofsiedlung Stuttgart nicht unter Verputz, sondern sichtbar geführt hatte.

Die Bedeutung des Wortes „brut“ (frz.: grob, rau, ungeschliffen) wurde nach dem Zweiten Weltkrieg aufgegriffen, als man die Konstruktion und Materialität von Architektur möglichst explizit zeigen wollte: Der Begriff New Brutalism war geboren! Mit dessen Gestaltungsfragen verband sich jedoch, wie die Ausstellung „SOS Brutalismus“ (2017) herausstellte, ein größerer, politischer Rahmen: eine Gegenhaltung zum monumentalen Bauen der Nazizeit in Deutschland oder zu einem mutlosen Wiederaufbau nach dem Krieg in Großbritannien; als Beitrag zum „nation building“ der jungen selbständigen Länder, die ein neues Selbstbewusstsein durch die Teilhabe an der internationalen Architekturentwicklung zeigten, sich dabei aber zugleich in den jeweiligen lokalen Gegebenheiten verankerten. Im Unterschied zum früheren International Style entstand so ein Interregional oder New Regional Style.


© Ruhr-Universität Bochum: Ruhr-Universtität, Ansicht von Süden, 2014

Die RUB-Architektur war in hohem Maße ein Teil dieser weltweiten Architekturströmung. U. a. zeigt sich dies daran, dass hier sehr früh eine „Megastruktur“ gebildet wurde – dies zu einem Zeitpunkt, als es den Begriff noch gar nicht gab! Zugleich richtete sich das Ensemble der RUB ganz bewusst an die umgebende Landschaft.

Welche Ansprüche und Ziele sich mit diesen Gestaltungen verbanden, soll die Ausstellung deutlich machen. Ihre Ergebnisse versuchen auch in die derzeitigen Planungen zum Abriss von Institutsgebäuden einzugreifen. Die Eigenart der RUB-Architektur hat es verdient, in die Zukunftsperspektiven der Universität einbezogen zu werden.

Cornelia Jöchner

Fotos aus: Ruhr-Universität Bochum. Architekturvision der Nachkriegsmoderne, hg. von Richard Hoppe-Sailer, Cornelia Jöchner und Frank Schmitz, Berlin 2015, S. 300, 305.