RUBbits, Mai 2007

Zur Textversion

30 Jahre BABSY

 

Textversion des Artikels "30 Jahre BABSY"

30 Jahre BABSY

Bibliothekssystem ist älter als Windows

Am 4. April feierte BABSY, das Bochumer automatisierte Bibliothekssystem seinen 30. Geburtstag: Nach einem sensationellen Siegeszug in den 1970er-bis 1990er-Jahren ist BABSY in die Jahre gekommen und wird seinen 31. Geburtstag wohl nicht mehr feiern. Ein Rückblick: Schon Mitte der 1960-er Jahre führte der damalige Leiter der Universitätsbibliothek Bochum, Prof. Dr. Günther Pflug, ein für damalige Verhältnisse wegweisendes EDV-orientiertes Ausleihsystem ein. Mittels maschinenlesbarer Ausweise und Signaturkarten (Lochstreifenkarten) wurden an den Verbuchungsplätzen Lochstreifen erstellt, die dann von der an der Bibliothek angesiedelten EDV-Anlage Siemens 3003 verbucht wurden.

Lochstreifenkarte am Ausleihplatz

Mitte des Jahres 1974 wurde klar, dass insbesondere wegen der hohen Wartungskosten die Siemens-Anlage nicht länger betrieben werden konnte. Der Leiter des Rechenzentrums, Prof. Dr. Hartmut Ehlich, erklärte sich bereit, die Ausleihverwaltung auf dem Zentralrechner der Hochschule (einem TR440 der Computer Gesellschaft Konstanz) laufen zu lassen. Da die vorhandenen Programme in 3003-Assembler programmiert waren, bedeutete das eine Neuprogrammierung des gesamten Programmpakets.
Am 4. April 1975 übernahm dann das Rechenzentrum, nach nur viermonatiger Programmentwicklungszeit, die Ausleihverbuchung für die UB. Somit konnten wir am 4. April nicht nur 30 Jahre BABSY, sondern auch 32 Jahre Ausleihverbuchung im Rechenzentrum feiern.
Schon zu diesem Zeitpunkt stand fest, dass die Offline-Verbuchung durch ein Online-System ergänzt bzw. abgelöst werden sollte. Deshalb wurde zu Beginn des Jahres 1976 ein MDT-Rechner (MDT = Mittlere Datentechnik) der Mülheimer Firma Dietz beschafft, auf dem dann die Online-Software entwickelt wurde. Der .Dietz XI" hatte 64 KB Hauptspeicher, davon 11 KB für die Programmierung in CBASIC nutzbar, und 9,6 MB Plattenspeicher, davon 4,8 MB wechselbar. Da man diesen leistungsfähigen Rechner nicht allein für die Ausleihverbuchung nutzen wollte, lief ab Februar 1977 die Online-Studierendenverwaltung ebenfalls auf dem XI.
Am 4. April fiel dann der Startschuss für die Online-Ausleihverbuchung in der UB. Zur Sicherheit und um die Druckausgaben (Briefe, Listen) zu erzeugen, wurden alle Buchungen aber im vorhandenen System auf dem TR440 noch einmal nachgebucht.
Die in den 70-er Jahren neugegründeten Gesamthochschulen in Essen, Paderborn, Siegen und Wuppertal wurden 1978 mit dem gleichen System ausgestattet, später traten noch die Universitätsbibliotheken Düsseldorf, Bielefeld und Trier und die Fachhochschulbibliotheken Bochum, Düsseldorf, Gelsenkirchen und die Märkische FH dem Kreis der BABSY-Nutzer bei.
Auf Grund der schnellen Entwicklung im Rechnerbereich stand im Jahr 1981 der Dietz X3 zur Verfügung, der nicht nur einen schnelleren Prozessor und mehr Hauptspeicher hatte, sondern auch mit zwei externen Plattenlaufwerken zu je 60 MB versehen war. Dieses System erlaubte es, Kurztitel auf Quittungen und Kontoübersichten zu drucken. Außerdem konnten die ersten Selbstbedienungsplätze in der UB in Betrieb gehen.

Die 8oer: Erste Selbstbedienungsplätze

Im Jahr 1990 war BABSY dann eines der ersten Bibliothekssysteme, die den Sprung vom Zentralrechner in die Netzwerktechnologie schafften. Mit einem Intel 386-Server und 16 Arbeitsplätzen steigerte sich die Buchungsgeschwindigkeit um das Vierfache. BABSY 2 war nun ein autonomes Ausleihsystem. Auch die sog. Batch-Teile (Mahnungen, Statistiken) wurden ohne Rückgriff auf den Zentralrechner bearbeitet. Kurze Zeit später wurde auch der OPAC in das System integriert. Fünf Jahre später hatte sich das WWW soweit verbreitet, dass BABSY auch einen WWW-Benutzerarbeitsplatz mit OPAC-Zugriff erhielt.
Kurz vor der Jahrtausendwende erhielt das Hochschulbibliothekszentrum in Köln eine neue Katalogisierungssoftware, gleichzeitig wurde bei den BABSY-Nutzern der Ruf nach einem integrierten Bibliothekssystem (mit Erwerbung, Katalogisierung, Ausleihe) immer lauter.
Das Rechenzentrum konnte eine solche Systemerweiterung mit seinen immer knapper werden Personalressourcen jedoch nicht leisten. Deshalb migrierten die meisten BABSY-Nutzer bis 2003 auf andere Systeme und die im Jahr 2000 verfügbareVersion3 wurde nur noch von der Uni Bochum und der FH Gelsenkirchen eingesetzt.
So wird BABSY seinen 31. Geburtstag wohl nicht mehr feiern. Vor zwei Jahren hat sich die Universitätsbibliothek entschieden, PICA als Ablösesystem einzusetzen. Nach langwierigen Verhandlungen über den Leistungsumfang des neuen Systems steht nun die Datenmigration aus BABSY und die Integration in die IT¬Landschaft der Ruhr-Universität an. Bis Ende dieses Jahres sollte dieser Prozess erfolgreich abgeschlossen sein - dann geht BABSY in den Ruhestand.

Volker Riedel